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Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

22. Dezember 2021

Jede:r kennt die Weihnachtsgeschichte des Grinchs, jede:r weiß, was das Christkind oder der Weihnachtsmann ist. Auch Knecht Ruprecht kennen vermutlich die meisten. Doch in dem heutigen Artikel geht es um eine Geschichte, die das echte Leben geschrieben hat.

23. Dezember 1914 – Die deutschen Wehrmachtssoldaten und die britischen, französischen und belgischen Soldaten der Entente-Koalition an der Westfront standen sich in Schützengräben nur hunderte Meter entfernt gegenüber, nur getrennt durch das Niemandsland, jenen unüberwindbaren Streifen von toten, zumeist durch das Artilleriefeuer zerfetzten Streifen Boden. Die Soldaten, überwiegend junge Männer, lagen nach den gestoppten Offensiven der deutschen Wehrmacht im Norden Frankreichs und Elsass-Lothringen und deren französisch-britischem Dependance in den gerade beschrieben Stellungskriegen fest. Jeder Metergewinn für die eine oder andere Seite musste mit unzähligen Toten bezahlt werden. Die Versorgungslage von quasifast allem war auf beiden Seiten spärlich, die vor Granaten und Präzisionswaffen von Scharfschützen Schutz bietenden Grabensysteme gab es 1914 kaum.

In dieser Zeit baten der damalige Papst Benedikt der 15., der Pariser Bischof Léon-Adolphe Amette und weitere christliche Geistliche beide Heeresführungen, für deren christliche Nationen sie kämpften, um einen temporären Waffenstillstand in der Weihnachtszeit. Alle beteiligten Nationen lehnten diesen ab. Doch sie hatten ihre Rechnung nicht mit dem Geist der Weihnacht und der trotz des Krieges bewahrten Menschlichkeit gemacht. Es begann, so vermuten Historiker, in Ypern im flämischen Teil Belgiens, wo britische und deutsche Soldaten sich darauf verständigten, nicht mehr aufeinander zu schießen. Von dort aus breitete sich die Idee des Weihnachts-Waffenstillstandes unter den Soldaten aus, ganze Frontteile führten an Weihnachten keinen Krieg. Selbst ranghohe Mitglieder der jeweiligen Heere unterstützten den kurzen Waffenstiltand, auch wenn deren Heeresleitungen dies nicht guthießen.

In der Dunkelheit, hinter dem Niemandsland,

Als der kalte Nachtwind leise flüsterte,

hörten wir einen höchst unpassenden Klang;

Weihnachtslieder, gesungen von unserem Feind.

Jemand hisste die Flagge des Waffenstillstands

und wir trafen sie auf umkämpften Boden.

Wir teilten unser Essen, einige Zigaretten.

Und summten bei ihrem fröhlichen Klang mit.

Unsere Kameraden sangen die Lieder, die wir kannten.

In gebrochenem Englisch antworteten sie uns.

Zusammen begruben wir unsere gemeinsamen Toten

Die nun keiner Seite mehr angehörten.

Ich hörte, in einigen Sektoren wurden Spiele gespielt.

Eine Art Fußballspiel.

Traurigerweise war es nur eine kurze Pause

bevor wir unseren tödlichen Sport wieder aufnahmen.

In den folgenden Jahren wurde kein Pardon gegeben.

So bitter waren unsere Männer geworden.

Es gab keine Lieder mehr in unseren Herzen.

nach dem Gemetzel von Verdun.

Gedicht von John F. McCullagh, übersetzt ins Deutsche

Zwischen den beiden sich gegenüberliegenden Feinden wurden im Niemandsland die Gefallenen geborgen. Vereinzelt kam es sogar zum spontanen Austausch zwischen den eigentlich verfeindeten Soldaten. Auch gemeinsame Gottesdienste soll es gegeben haben. Bis in den Januar dauerten regionale Gefechtspausen an. Entlang der damaligen Front gibt es heute noch Gedenkstellen, die an dieses besondere Ereignis erinnern sollen.

So ging diese etwas ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte in die Annalen der europäischen Welt ein und sie dient bis heute als Warnung, dass selbst in den unmenschlichsten Kriegen, zwischen Chemiewaffen und Schützengräben, Menschen am Werk sind. Menschen wie du und ich, die eine Familie und ein Zuhause haben, die träumen und Ängsten unterworfen sind und die nicht die Nationalität oder andere Unterschiede, sondern diese Gemeinsamkeiten zu Menschen macht. Auch heute, in den kriegs- und leidgeplagten Regionen dieser Welt, sind es keine Statistiken, die an Hunger oder an Gewalt sterben oder davor fliehen – denn hinter jeder einzelnen Zahl steckt ein Mensch.

Ganz im Sinne dieser Geschichte möchte ich für das christliche Fest noch eine Bibelstelle nennen:

Gibt es nun irgendwelche Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen so machet meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habet, einmütig und auf eines bedacht seid, nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst, indem jeder nicht nur das Seine ins Auge faßt, sondern auch das des andern.

Philipper 2: 1-4

Allen frohe Weihnachten & ein besinnliches Fest!

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